Geschichte

Trachtenland Deutschland – Die Geschichte des Deutschen Trachtenverbandes

Schon lange bevor sich ein bundesweiter Verband dem Anliegen der Pflege und  Erhaltung der Volkstracht widmen konnte, gab es in allen deutschen Landesteilen Heimat- und Trachtenvereine. Der älteste bisher bekannte Trachtenverein wurde im Jahre 1875 in der sächsischen Industriestadt Chemnitz gegründet. Schon sein Name ‘Verein der Bayern zu Chemnitz e.V.“, später “Bayernverein Almrausch“ sagt, wer seine Gründungsmitglieder waren und lässt den Schluss zu, dass in der alten Heimat Bayern bereits ein Kreis Gleichgesinnter bestand. Es waren in Bayern geborene Trachtenträger, die die Heimat verlassen mussten, weil es dort keine Arbeit gab. Ihre Tracht war in der Fremde ihr Erkennungszeichen, ihr Zusammengehörigkeitsgefühl. Ebenfalls 1875 gründeten sich die Berglerburschen in Leipzig sowie ein Jahr später in Berlin der „Verein der Bayern in Berlin e.V.“ Alle drei Vereine sind bayerischen Abstammung.

Diesen Auswanderern ein deutschlandweites Dach zu geben, war das Ziel, welches 1929 bei der Gründung des “Reichsverbandes der deutschen Heimat- und Volkstrachtenvereine“ im Mittelpunkt stand. Die bayerischen Vereine außerhalb des Landes Bayern schlossen sich mit dem Landesverband Bayern zu einem Bundesverband zusammen. So gab es neben Bayern Mitgliedsvereine in Berlin, Norddeutschland, im Rhein-Main-Gau, im Rheinisch Westfälischen - Gauverband und in Mitteldeutschland. Schon wenige Jahre nach der Gründung des Deutschen Trachtenverbandes erfolgte seine Auflösung. Am 30. Mai 1936 wurde der Bundesverband durch die Nationalsozialisten verboten.

Bleibende Verdienste um die Erhaltung der Volkstracht erwarb sich der Lehrer Joseph VogI. Er gründete 1883 in Bayrischzell einen bodenständigen Trachtenverein, dem es gelang, die sich ständig durch Modeeinflüsse ändernde Volkstracht der Nachwelt zu erhalten.

Bereits im Mai 1914 fand in Mainz das 1. Deutsche Volkstrachtenfest statt. Damit war die Stadt am Rhein Schauplatz der deutschen Trachtengeschichte. Auch der 1895 gegründete erste Trachtenverein Thüringens in Finsterbergen nahm an diesem Fest teil. Der 1. Weltkrieg und die Nachkriegszeit machten alle Planungen weitere Trachtenfeste abzuhalten zunichte.

Nach dem verheerenden 1. Weltkrieg lag Deutschland in Schutt und Asche, das Land konnte sich nicht erholen, stürzte in Rezession, Inflation und den nächsten Weltkrieg. Viele, die einst in farbenfrohen Trachten über den Tanzboden schwelgten, die im Theater die Mundart pflegten, sind von den Schlachtfeldern des Krieges nicht nach Hause zurückgekehrt. Andere mussten im Zuge der Neuaufteilung Europas eine neue Heimat suchen, mussten die Plätze der Kindheit und Jugend verlassen, haben ihre Heimat verloren.

Die Überlebenden wollten beim friedlichen Aufbau Deutschlands mithelfen. Am 5. Dezember 1947 gründete sich in München der „Verband deutscher Heimat- und Volkstrachtenvereine e.V.“  Damit gab es ihn wieder den bundesweiten Dachverband der Heimat- und Brauchpflege, der mit seinem großen Bundestrachtenfest 1959 in Dingolling wieder ins Bewusstsein der Menschen zurückkehrte. Jetzt folgten alle fünf Jahre Bundestrachtenfeste, teilweise mit internationaler Beteiligung und 1989 war die niederbayerische Stadt Deggendorf Schauplatz der Trachten.

Der Bundesverband vergrößerte sich. 1963 ist ihm der Verband für Volkstum und Heimat in Rheinland-Pfalz beigetreten, es folgten Mitgliedschaften von Einzelvereinen in Deutschland, Amerika, Südosteuropa und Südamerika.

Erst die Wiedererlangung der deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 von den Menschen in einer Friedlichen Revolution zwischen Ostsee und Erzgebirge erzwungen, machte es möglich, dass sich die geeinte Trachtenfamilie wieder begegnen konnte und so fand vom 15. bis 17. Juli 1994 im thüringischen Wechmar das 1 .Gesamtdeutsche Bundestrachtenfest mit 178 Vereinen aus allen deutschen Bundesländern und aus zehn europäischen Staaten sowie Brasilien statt.

1. Gesamtdeutsches Bundestrachtenfest in Wechmar
1. Gesamtdeutsches Bundestrachtenfest in Wechmar

Achtzig Jahre nach dem ersten Deutschen Volkstrachtenfest ging der Wunsch von Mainz in Erfüllung, sich ein Jahr später in Thüringen zu treffen. Wechmar einte die deutsche Trachtenfamilie und mit dem Schwung aus Thüringen traten in den Jahren 1993 bis 2000 alle Landesverbände des Trachtenwesens in Deutschland dem Bundesverband bei.

Für den Bundesvorsitzenden Otto Kragler damals eine ‘Sternstunde der Geschichte“. 1996 trafen sich die Trachtler unter dem Motto “Marburg lässt die Trachten tanzen“ in der hessischen Universitätsstadt. 276 Vereine trafen zum großen Festumzug ein und selbst Bundespräsident Roman Herzog überzeugte sich von der internationalen Trachtenvielfalt. 1998 war die Gemeinde Nohfelden-Bosen im Saarland Gastgeber des Deutschen Trachtenfestes. Unter dem Motto “Europa trifft sich am Bostalsee“ gelang es bei diesem Fest auf wunderbare Weise Brücken der Verständigung besonders nach Frankreich aufzubauen. Die baden-württembergische Stadt Wendlingen und ihre Eggerländer-Gemeinde luden 2002 zum Deutschen Trachtfest ins Land von Pollenhut und Schäpel. Die herzerfrischende Gastfreundschaft in der Stadt vereinte 50.000 Gäste rund um 270 Trachtengruppen aus aller Welt. Die Gestaltung des Festes gemeinsam mit den Eggerländern war ein gewaltiger Beweis, wie sich geschichtliche Bindungen zu einem Europa der Zukunft vereinen. Die frische Brise an der Ostsee machte zum Deutschen Trachtenfest 2005 in Grömitz Lust auf Meer bzw. mehr, und den sprichwörtlichen Brückenbau in Europa. Im Jahre 2008 kamen die Trachtenträger in München zusammen, um dem Jubiläum „125 Jahre Erster Bayerischer Trachten Verein“ in einer Millionenstadt zu gedenken. Altenburg die Stadt des traditionellen Prinzenraubes und des Bauernreitens lud 2012 zu einem Fest voller Harmonie und geschichtlichem Esprit nach Thüringen. Verzaubert gingen die Teilnehmer nach Hause, auch von der christlichen Botschaft, dass schon in der Bibel steht, wie man sich kleiden soll. 2016 kehrt die deutsche Trachtenfamilie im Hohenloher Land ein, zu dem Verein, der im Jahr 2006 als erster das Prädikat „Tracht des Jahres“ bekam.

Seit 1992 trägt der Bundesverband den Namen “Deutscher Trachtenverband und die neu organisierte Deutsche Trachtenjugend ist sein engagierter Jugendverband. Der langjährige Bundesvorsitzende Otto Kragler gab den Vorsitz in jüngere Hände ab und seit 2002 ist der Thüringer Knut Kreuch Präsident  des größten deutschen Verbandes der Heimat- und Brauchpflege mit 12 Landesverbänden, ca. 2. Millionen Mitgliedern und 200.000 in der Deutschen Trachtenjugend organisierten Kindern und Jugendlichen.

Mit dem 1.Deutschen Kinder- und Jugendtrachtenfest vom 28. bis 31. Mal 2004 im thüringischen Wechmar setzte der Bundesverband wieder internationale Maßstäbe. Kinder und Jugendliche treten täglich den Beweis an, wie lebendig Tradition und Bräuche, wie zeitlos und beständig Tracht und Sitten in einem sich ständig verändernden Europa der Nationen sind.

Chronologie

19.09.1929

Gründung des Reichsverbandes Deutscher Heimat- und Volkstrachtenvereine e.V.

Vorsitzende:
1929-1931
1931-1932
1932-1936

 
Josef Negele
Karl Kuhn
Heinrich Doser

10.05.1936

Auflösung des Reichsverbandes Deutscher Heimat- und Volkstrachtenvereine e.V. auf Druck der nationalsozialistischen Hitlerregierung

05.12.1948

Wiedergründung als Verband Deutscher Heimat- und Volkstrachtenvereine e.V.

Vorsitzende:
1948-1952
1952-1970
1970-1980
1980-1986
1986-1992

 

Lorenz Mödl
Hans Hatzinger
Alfons Bergmann
Heinrich Fischer
Otto Kragler

20.09.1992

Umbenennung in Deutscher Trachtenverband e.V.

Vorsitzende:
1992-1999
1999-2002
seit 12.10.2002


Otto Kragler
Günter Putz
Knut Kreuch

Deutsche Trachtenjugend

www.deutsche-trachtenjugend.de

Kontakt

 

Deutscher Trachtenverband e.V.
Hohenkirchen Str. 13
99869 Günthersleben-Wechmar

Telefon: 036256-20581
geschaeftsstelledeutscher-trachtenverbandde

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